„Völlig perplex“ über neue Bestzeit
Er hat es wieder getan: Der Sögeler Leichtathlet Thorben Finke bleibt auf der Überholspur und lief bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid über 400 Meter mit 45,08 Sekunden erneut eine neue persönliche Bestzeit. Damit gewann der 21-jährige Emsländer nicht nur die Silbermedaille, sondern schaffte auch die Norm für die in zwei Wochen anstehende Europameisterschaft in England.
Oberschenkelprobleme und Riss am Schuh
Es war schon eine Überraschung, als Finke mit solch einer Zeit im Ziel ankam – vor allem für ihn selbst. „Ich war völlig perplex“, sagte der für den SV Sigiltra Sögel startende Sportler. „Ich wusste gar nicht, wie das passiert ist. Mit der Zeit habe ich nicht gerechnet. Ich hatte meinen Fokus auf anderen Sachen und wollte das Rennen einfach nur über die Bühne bringen. Mein Ziel war vor allen Dingen erst mal, dass ich auf jeden Fall mit der Staffel mit zur EM komme. Das wollte ich absichern.“
Seine Sorgen waren nicht unbegründet. Denn: Der 21-jährige Finke hatte in den vergangenen Wochen mit muskulären Problemen im Oberschenkel zu kämpfen. „Ich habe mich beim Aufwärmen eigentlich nicht so gut gefühlt. Ich wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit wird“, sagte der Emsländer. Zu allem Überfluss riss auch noch das Loch für die Schnürsenkel an seinen Spikes. „Das Problem habe ich öfter, weil ich meine Schuhe sehr fest zumache.“ Er habe improvisieren müssen und ein neues Loch gestanzt. „Das alles war echt ein bisschen Harakiri.“
Trotz aller Schwierigkeiten stand am Ende die Zeit von 45,08 Sekunden, womit Finke die Direktnorm für die EM (10. bis zum 16. August 2026) schaffte. Es war eine beeindruckende Vorstellung, die der deutsche U-23-Meister im Lohrheidestadion ablieferte. Im Schatten des Siegers Jean-Paul Bredau, der mit 44,72 Sekunden noch in einer anderen Liga unterwegs war, lief der emsländische Leichtathlet eine starke Schlussgerade. Im Ziel angekommen, blieb er erst mal für etwa zwei Minuten auf dem Boden liegen. „Es kamen ein paar Leute, die mir gratuliert haben“, sagte der Emsländer, der anschließend seine Freude über das Erreichte mit einem lauten Schrei zelebrierte.
DM erst mal verarbeiten, dann Fokus auf die EM
Finke freute sich über sein Ergebnis. „Die Zeit gibt mir natürlich sehr viel Selbstvertrauen“, sagte der Leichtathlet, der in den nächsten Tagen damit beginnen möchte, sich auf die EM in England vorzubereiten. „Ich werde mich jetzt gut erholen und das alles im Kopf ein bisschen verarbeiten. Ab Mitte der Woche werde ich mich wieder an die Arbeit setzen und mich wieder fokussieren.“
In der nächsten Woche folgt dann mit der Nationalmannschaft in Frankfurt die Vorbereitung auf die Europameisterschaft. In Birmingham hat Finke den Einzelstart in der Tasche – und ihm winkt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Einsatz in der 4 × 400-Meter-Staffel. Offiziell ist es noch nicht. Aber der Sögeler hat in Bochum auf jeden Fall gute Argumente für einen Startplatz geliefert.
Pressetext: Christoph Schillingmann

